Wie viel Kollektorfläche braucht die Heizungsunterstützung?
Für die Größe gibt es eine einfache Faustregel. Soll die Anlage nur Wasser erwärmen, braucht jede Person im Haushalt etwa 1,5 Quadratmeter Flachkollektor oder 1 Quadratmeter Röhrenkollektor. Soll sie auch die Heizung unterstützen, verdoppelt sich die Fläche auf 3 oder 2 Quadratmeter je Person. Ein Flachkollektor ist eine flache Platte unter Glas, ein Röhrenkollektor besteht aus luftleeren Glasröhren.
Für vier Personen heißt das rund 12 Quadratmeter Flachkollektor oder 8 Quadratmeter Röhrenkollektor. Der Speicher fasst dann 500 bis 1.500 Liter. Für reines Warmwasser reichen 6 oder 4 Quadratmeter und 250 bis 350 Liter.
| Wofür die Anlage da ist | Flachkollektor | Röhrenkollektor | Speicher |
|---|---|---|---|
| Nur warmes Wasser | rund 6 m² | rund 4 m² | 250 bis 350 Liter |
| Warmes Wasser und Heizung | rund 12 m² | rund 8 m² | 500 bis 1.500 Liter |
Die Faustregel ist nur ein Anfang, denn auch Größe und Dämmung des Hauses zählen. Die Verbraucherzentrale rät, die Anlage lieber etwas zu klein als zu groß zu planen. Sie rechnet sich nur, wenn Größe und Wärmebedarf zusammenpassen.
Welchen Anteil der Heizwärme deckt die Sonne?
Eine Solaranlage zur Heizungsunterstützung ersetzt die Heizung nicht. Sie liefert übers Jahr einen Teil der Wärme, den Rest erzeugt weiter Ihre Heizung. Nach Angaben des ADAC deckt die Sonne in weniger gut gedämmten Häusern 10 bis 20 Prozent der Heizwärme. In sehr gut gedämmten Häusern, den sogenannten Effizienzhäusern, sind es 25 bis 40 Prozent.
Der Grund ist einfach. Ein gut gedämmtes Haus braucht weniger Wärme, also deckt dieselbe Fläche einen größeren Teil davon. Je Quadratmeter Kollektor spart eine solche Anlage rund 300 Kilowattstunden im Jahr, so die Verbraucherzentrale. Eine Anlage mit 10 Quadratmetern spart bis zu 4.000 Kilowattstunden Erdgas im Jahr.
Über das Jahr verteilt sich der Ertrag ungleich. Im Sommer erwärmt die Anlage das Wasser oft ganz allein. In den dunklen Monaten bringt sie laut ADAC nur 20 bis 30 Prozent ihrer Höchstleistung.
Ausrichtung und Neigung für die Heizungsunterstützung
Für die Heizung zählt vor allem die Wärme im Frühjahr, Herbst und Winter. Dann steht die Sonne tief. Deshalb gelten für die Heizungsunterstützung engere Regeln als für eine Anlage, die nur Wasser erwärmt.
- Die Kollektoren zeigen nach Süden. Nach Osten oder Westen sollten sie höchstens 15 Grad abweichen, so das Portal Energie-Experten.
- Die Kollektoren stehen 45 bis 70 Grad steil. Für warmes Wasser allein reichen 30 bis 50 Grad.
- Schatten von Bäumen, Nachbarhäusern oder Schornsteinen fällt möglichst wenig auf die Fläche.
- Weicht das Dach ab, ist eine etwas größere Kollektorfläche oft günstiger als ein schräges Gestell, das den Winkel ausgleicht.
Ein steiler Winkel bringt im Sommer etwas weniger Wärme und im Winter mehr, der Ertrag wird also gleichmäßiger. Bei reiner Ost- oder Westausrichtung verliert die Anlage nach Angaben der Verbraucherzentrale etwa ein Viertel ihres Ertrags.
Niedrige Heizwassertemperatur bringt mehr Sonnenwärme
Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Wassers, das von der Heizung zu den Heizkörpern fließt. Je niedriger sie sein darf, desto öfter reicht die Wärme aus dem Solarspeicher allein. Die Verbraucherzentrale nennt deshalb eine Heizung mit niedriger Vorlauftemperatur, etwa eine Fußbodenheizung, als gute Voraussetzung.
Dieselbe Frage entscheidet über eine Wärmepumpe. Als Faustregel gilt laut Verbraucherzentrale, dass ein Haus dafür passt, wenn die Vorlauftemperatur fast das ganze Jahr unter 55 Grad liegt. Ein Haus, das mit wenig Vorlauftemperatur warm wird, eignet sich also für beide Techniken.
Reicht die Mindestfläche für eine neue Gasheizung?
Seit dem 29. Juli 2026 gilt ein geändertes Heizungsgesetz. Wer danach eine Gas- oder Ölheizung in ein bestehendes Haus einbaut, muss ab 2029 einen Teil der Wärme aus Biogas, Bioöl oder Wasserstoff erzeugen. Dieser Bio-Anteil steigt von 10 Prozent ab 2029 über 15 Prozent ab 2030 und 30 Prozent ab 2035 auf 60 Prozent ab 2040.
Eine Solaranlage kann den Bio-Anteil ersetzen, aber nur befristet. Von 2029 bis Ende 2034 gilt die Pflicht als erfüllt, wenn die Kollektorfläche groß genug ist. Im Haus mit höchstens zwei Wohnungen sind das 0,04 Quadratmeter je Quadratmeter Nutzfläche, also 4 Quadratmeter je 100 Quadratmeter. Bei mehr als zwei Wohnungen reichen 0,03 Quadratmeter.
Ab 2035 ändert sich die Rechnung. Ohne Nachweis zählt die Solaranlage dann nur mit 15 Prozent, die Pflicht liegt aber bei 30 Prozent. Für einen höheren Anteil muss eine Fachperson nachweisen, wie viel Wärme die Anlage im Betrieb liefert. Zum Vergleich hat eine Anlage zur Heizungsunterstützung im Einfamilienhaus 9 bis 20 Quadratmeter.
Den Bio-Anteil einer neuen Gasheizung erfüllen auch eine zusätzliche Wärmepumpe mit genug Leistung oder eine Holz- oder Pelletheizung im selben System.
Geht es Ihnen nur um den Bio-Anteil einer neuen Gasheizung?
Dann reicht von 2029 bis Ende 2034 die Mindestfläche von 4 Quadratmetern je 100 Quadratmeter Nutzfläche. Ab 2035 brauchen Sie zusätzlich Biogas oder einen Nachweis über den Solaranteil.
Dann planen Sie nach Ihrem Wärmebedarf, im Einfamilienhaus meist 9 bis 20 Quadratmeter. Ihr Heizungsbauer berechnet die passende Größe.
So prüfen Sie das Angebot für die Solaranlage
Die genaue Größe berechnet Ihr Heizungsbauer. Mit diesen Schritten bereiten Sie das Gespräch vor und können sein Angebot prüfen.
- Suchen Sie die Jahresabrechnungen für Heizung und Wasser der letzten Jahre heraus. Daraus ergibt sich Ihr Wärmebedarf.
- Lesen Sie bei einer Gasheizung im Sommer regelmäßig den Gaszähler ab. So sehen Sie, wie viel Gas allein das warme Wasser braucht.
- Entscheiden Sie, ob die Anlage nur Wasser erwärmen oder auch heizen soll. Für die Heizung brauchen Sie etwa doppelt so viel Fläche.
- Lassen Sie Ausrichtung, Neigung und Schatten Ihres Dachs prüfen.
- Fragen Sie nach der Vorlauftemperatur Ihrer Heizung, denn niedrige Temperaturen bringen mehr Sonnenwärme.
- Lassen Sie sich Kollektorfläche, Speichergröße und den erwarteten Anteil an der Heizwärme schriftlich vorrechnen.
Eine Anlage mit Heizungsunterstützung kostet laut ADAC 7.000 bis 17.000 Euro, und die Förderung für Solarthermie übernimmt mindestens 30 Prozent davon.
Häufige Fragen
Wie groß muss eine Solaranlage zur Heizungsunterstützung im Einfamilienhaus sein?
Eine Solaranlage zur Heizungsunterstützung braucht im Einfamilienhaus etwa 3 Quadratmeter Flachkollektor oder 2 Quadratmeter Röhrenkollektor je Person. Für vier Personen sind das rund 12 oder 8 Quadratmeter. Der Speicher fasst 500 bis 1.500 Liter.
Wie viel Heizwärme spart Solarthermie zur Heizungsunterstützung?
Solarthermie zur Heizungsunterstützung deckt 10 bis 20 Prozent der Heizwärme in schlecht gedämmten Häusern und 25 bis 40 Prozent in sehr gut gedämmten. Eine Anlage mit 10 Quadratmetern spart bis zu 4.000 Kilowattstunden Erdgas im Jahr. Eine zweite Heizung bleibt trotzdem nötig.
Warum stehen Kollektoren für die Heizungsunterstützung steiler als für warmes Wasser?
Kollektoren für die Heizungsunterstützung stehen 45 bis 70 Grad steil, weil sie die tief stehende Sonne im Winter einfangen sollen. Für warmes Wasser zählt der Sommer, dafür reichen 30 bis 50 Grad. Ein steiler Kollektor liefert im Sommer etwas weniger und im Winter mehr.
Erfüllt Solarthermie den Bio-Anteil einer neuen Gasheizung?
Ja, Solarthermie erfüllt den Bio-Anteil einer nach dem 29. Juli 2026 eingebauten Gasheizung, aber nur von 2029 bis Ende 2034. Dafür braucht ein Haus mit bis zu zwei Wohnungen 4 Quadratmeter Kollektor je 100 Quadratmeter Nutzfläche. Ab 2035 zählt die Anlage ohne Nachweis nur noch mit 15 Prozent.
Funktioniert Solarthermie zur Heizungsunterstützung auch mit normalen Heizkörpern?
Ja, Solarthermie zur Heizungsunterstützung funktioniert auch mit Heizkörpern. Am meisten bringt sie aber bei einer niedrigen Vorlauftemperatur, etwa mit einer Fußbodenheizung. Je wärmer das Heizwasser sein muss, desto öfter springt die Heizung ein.
